Von Maren, Lead Online-Marketing bei Princess Goes Hollywood
Italien hat ein Problem. Genauer gesagt: Italien hat zu viele wunderschöne Orte – und die meisten Menschen kennen nur eine Handvoll davon. Rom, Florenz, Venedig, Mailand. Wunderschön, zweifellos. Aber auch überlaufen, überteuert und manchmal schwer zu geniessen, wenn man zwischen tausend Reisegruppen steht und um einen freien Tisch kämpft.
Das echte Italien beginnt, wenn man die bekannten Pfade verlässt. In den schneeweissen Gassen von Ostuni, die sich wie ein Labyrinth über den Hügel ziehen. Auf der Insel Procida, die noch nicht entdeckt hat, dass sie berühmt sein könnte. In Monopoli, wo die Altstadt ins Meer ragt und abends die Einheimischen spazieren gehen.
Hier sind meine liebsten Orte. Bekannte, die es verdienen, und unbekannte, die es brauchen.

Positano – die Königin der Amalfiküste
Beginnen wir mit dem Offensichtlichen, weil es seinen Ruf verdient. Positano ist touristisch, ja. Teuer, ja. Überlaufen in der Hochsaison, auch ja. Und trotzdem: Es gibt keinen Ort in Italien, der dieses bestimmte Gefühl so erzeugt. Die pastellfarbenen Häuser, die sich übereinander den Felsen hinaufstapeln. Das Blau des Meeres in einem Ton, für den es eigentlich keinen Namen gibt. Die kleinen Gassen, in denen sich Boutiquen, Restaurants und Zitronenbäume abwechseln.
Wann hin? Mai oder September. Im Juli und August ist es überwältigend voll, schön, aber anstrengend.
Was tun? Die Treppe zur Kirche Santa Maria Assunta hochgehen und früh morgens alleine dort sein. Mit dem Boot nach Li Galli fahren, den kleinen Inseln, auf denen Rudolf Nureyev gelebt hat. In der Buca di Bacco essen, seit 1916.
Was ich vermeide: Den Hauptstrand mittags. Den Mopedverleih. Eilige Tagesausflüge.

Procida – die italienische Insel, die noch träumt
Die kleine Insel im Golf von Neapel ist eine dieser seltenen Destinationen, die man nicht einfach abhakt. Sie bleibt. Wegen der pastellfarbenen Häuser an der Marina Corricella, wegen der engen Gassen, der stillen Buchten und wegen dieses ganz eigenen italienischen Rhythmus, der irgendwo zwischen Espresso und Meeresrauschen liegt.
2022 war Procida Italiens Kulturhauptstadt. Seitdem ist die Insel bekannter geworden. Ihren ruhigen, eigenwilligen Charme hat sie sich trotzdem bewahrt. Vielleicht weil sie kleiner und weniger mondän ist als Capri oder Ischia. Vielleicht auch weil man Procida ganz bewusst wählen muss.
Am einfachsten kommt man von Neapel mit Fähre oder Schnellboot, je nach Verbindung 40 bis 60 Minuten. Auch von Pozzuoli gibt es Verbindungen, rund 35 Minuten. Das Auto lässt man getrost auf dem Festland. Procida erkundet man mit dem Bus, dem Fahrrad oder zu Fuss.
Wann hin? April bis Juni oder September bis Oktober. Das Licht ist schöner, die Temperaturen angenehmer, die Insel entspannter. Den August meide ich.
Was tun? Die Marina Corricella bei Sonnenuntergang ist ein Bild, das bleibt: Fischerboote, pastellfarbene Häuser wie eine Kulisse am Hang, und irgendwann dieses warme Licht, das alles ein bisschen schöner macht. Terra Murata durch die schmalen Gassen erkunden und den Blick über den Golf schweifen lassen. Mit dem Fahrrad losfahren, nicht unbedingt mit einem festen Ziel. Im La Conchiglia frischen Fisch essen.
Mein Tipp: Nicht nur für einen Tagesausflug kommen. Eine Nacht bleiben. Wenn die letzten Fähren abgelegt haben und die Tagesgäste weg sind, verändert sich die Insel. Es wird ruhiger. Die Gassen leeren sich. In der Marina Corricella spiegeln sich die Lichter im Wasser. Und plötzlich versteht man, warum Procida so lange ein Geheimtipp geblieben ist.

Cefalù – Siziliens schönstes Fischerdorf
Sizilien ist ein Kontinent für sich. Cefalù ist der beste Einstieg. Das mittelalterliche Fischerdorf an der Nordküste hat alles: eine normannische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert mit byzantinischen Mosaiken, einen der schönsten Strände der Insel direkt vor der Altstadt, enge Gassen mit Wäsche auf den Leinen und Restaurants, in denen die Besitzerin selbst kocht.
Wann hin? Juni oder September. Im Juli und August ist der Strand voll, aber selbst dann ist die Altstadt morgens und abends wunderschön ruhig.
Meine Insider-Tipps: Erstens eine Selbstfahrer-Bootstour entlang der Küste, ganz ohne Führerschein. Die Buchten, die man so erreicht, sind von der Strasse aus nicht zu sehen, und das Wasser ist eine andere Welt. Zweitens der Aufstieg zum Rocca, dem Felsen über der Stadt. 45 Minuten, ein bisschen Schwitzen, und dann dieser Ausblick auf die Altstadt, das Meer und die Küste, der jeden Schritt rechtfertigt. Drittens: Pistazien-Granita am Duomo. Morgens, bevor die Sonne zu stark wird, auf den Stufen der Kathedrale sitzend. Nicht Zitronen, nicht Mandel – Pistazien. Das Rezept zum Nachkochen gibt es in meinem Mangiare-bene-Post.
Was ich vermeide: Die Tagestour aus Palermo. Cefalù braucht mindestens zwei Nächte.

Ostuni – die weisse Stadt Apuliens
Ostuni wird «la città bianca» genannt, die weisse Stadt. Und wer einmal durch ihr Centro Storico geschlendert ist, versteht sofort warum. Die Altstadt thront auf einem Hügel über der apulischen Ebene, und ihre Gassen sind so weiss gekalkt, dass sie im Mittagslicht fast zu leuchten scheinen.
Wann hin? Mai, Juni oder September. Apulien im Hochsommer ist wunderschön, aber heiss.
Meine Insider-Tipps: Einfach in das Labyrinth aus schneeweissen Kalkgassen eintauchen, keine Route planen, keine App öffnen. Man verläuft sich, findet eine unerwartete Aussicht, eine winzige Kapelle, eine Katze auf einer Treppe. Das ist der Punkt. Und dann: das Spektakel an der berühmten blauen Tür. «La casa con la porta blu» im Borgo Antico. Einen Tisch im Borgo Antico Bistro reservieren, einen Aperol Spritz bestellen und einfach zuschauen, wie die ganze Welt an dieser einen blauen Tür vorbeizieht und anhält. Einer der schönsten Nichts-tun-Momente Italiens.
Den Sonnenuntergang von der Stadtmauer aus erleben – die Sicht über die Olivenhaine bis zum Meer ist unvergesslich. Im Osteria del Tempo Perso essen, einem der besten Restaurants der Region.
Was ich vermeide: Den Mietwagen zuhause lassen. Apulien erschliesst sich am schönsten auf eigene Faust.

Monopoli – Apuliens unterschätztes Juwel
Apulien ist seit einigen Jahren entdeckt worden: Alberobello mit seinen Trulli, Lecce mit seinem Barock, Polignano a Mare mit seinen Felsen. Monopoli ist noch einen Schritt weiter weg vom Touristenstrom. Die weisse Altstadt ragt direkt ins Meer. Die kleinen Häfen, in denen noch echte Fischer ihre Netze flicken. Die langen Sandstrände nördlich der Stadt.
Wann hin? Mai, Juni oder September.
Was tun? Den Altstadtspaziergang entlang der Mauern bei Sonnenuntergang. Im Pescheria sotto casa essen – frischer Fisch, direkt vom Markt. Die Grotte di Monopoli mit dem Boot erkunden.

Tropea – Kalabrien, wie es kaum einer auf dem Schirm hat
Kalabrien ist der am meisten unterschätzte Teil Italiens. Tropea ist der Beweis, warum das ein Fehler ist. Das kleine Städtchen klammert sich an eine Steilküste über dem Tyrrhenischen Meer, die Altstadt thront auf einem Felsplateau, und das Wasser darunter hat diese türkisblaue Farbe, für die man sonst in die Karibik fliegen würde.
Was Tropea ausserdem hat: die Wallfahrtskirche Santa Maria dell'Isola, die auf einem freistehenden Felsen über dem Meer steht und bei Sonnenuntergang aussieht wie eine Kulisse, die sich kein Filmregisseur hätte ausdenken können. Und die roten Zwiebeln. Die «Cipolla Rossa di Tropea» ist keine Nebensache, sie ist Stadtidentität: in der Pasta, im Salat, als Marmelade, auf dem Brot.
Wann hin? Juni oder September. Im Juli und August ist der Strand voll, aber selbst dann ist die Altstadt eine andere Welt.
Was tun? Die Piazza Ercole, das Herzstück der Altstadt, morgens mit einem Espresso beginnen. Santa Maria dell'Isola früh besuchen, der Aufstieg ist kurz, die Aussicht unvergesslich. Und den Tartufo di Pizzo probieren: das legendäre Dessert aus dem nahegelegenen Pizzo Calabro, serviert mit Pistazieneis und Schokoladencrumble. Wer ihn zuhause nachmachen möchte, findet das Rezept in meinem Mangiare-bene-Post.
Was ich vermeide: Tropea als Tagesausflug zu behandeln. Wer nur einen Tag hat, versteht nicht, was dieser Ort wirklich ist.

Ravello – Musik, Gärten und stilles Glück
Hoch über Amalfi und Positano, auf einem Bergsporn mit Blick über den ganzen Golf von Salerno, liegt Ravello. Kleiner als Positano, ruhiger als Amalfi, und von einer stillen Eleganz, die einen sofort verlangsamt. Richard Wagner komponierte hier, Gore Vidal lebte hier, und die Villa Cimbrone hat einen der schönsten Gärten Italiens, mit einer Terrasse, von der aus man das Gefühl hat, am Rand der Welt zu stehen.
Wann hin? Im Juli findet das berühmte Ravello Festival statt: klassische Musik auf der Terrasse der Villa Rufolo, mit dem Meer als Kulisse. Unvergesslich.
Was tun? Villa Cimbrone am frühen Morgen besuchen, bevor die Tagesbesucher kommen. Im Cumpa' Cosimo essen, seit 1929. Einfach sitzen und schauen.
Was ich vermeide: Mit dem Auto hochzufahren. Die Strassen sind eng, die Nerven danach weg. Der Bus von Amalfi ist die bessere Wahl.
Und jetzt?
Sieben Orte, sieben gute Gründe, den nächsten Flug nach Italien zu buchen. Oder den übernächsten. Oder einfach schon mal die Koffer mental zu packen und sich zu fragen: Welcher dieser Orte wartet auf mich?
Mehr Dolce Vita: In meinem Rezepte-Guide erfährst du, was du in Italien unbedingt gegessen haben musst. Was man in Rom zwischen Aperitivo und Altstadt erlebt, erzählt meine Kollegin Rahel in ihrem Girlfriends Guide Rom. Und die passenden Drinks dazu gibt es in unserem Aperitivo-Drinks-Guide. Was man dabei trägt, zeigt unsere Dolce-Vita-Kollektion und die Bella-Italia-Kollektion.
A presto, Italia.